Startseite
Home english
Impressum / Imprint

.....die Ebenen von Leipzig werden abermals eine fürchterliche Schlacht erleben......

Diese Worte schrieb Karl von Schwarzenberg, Oberbefehlshaber der alliierten Hauptarmee, in einem Brief an seine Frau, am Vorabend der "Schlacht bei Wachau" am 15.10.1813.

Die Befürchtungen Schwarzenbergs sollten sich auf grausame Art und Weise bewahrheiten. Diese Tage, des Oktober 1813, sollten für viele Menschen zum Trauma werden. Sei es für die Soldaten, die aus fast allen europäischen Nationen hier in der Leipziger Tiefebene aufeinandertrafen, oder für die Bewohner dieser so unglücklichen Region.

So gingen die Tage dieses blutigen Ringens vom 14. bis zum 19. Oktober 1813 als die "Völkerschlacht bei Leipzig" in die Geschichte ein. Die Geschichte dieser Schlacht hier umfassend darstellen zu wollen, wäre vermessen. Hunderte Bücher sind in den beiden letzten Jahrhunderten darüber geschrieben worden. Deshalb wollen wir hier nur die Ereignisse beleuchten, welche in unmittelbarem Bezug zum geplanten Dioramen-Projekt stehen.

Das Diorama soll den Wendepunkt im Schlachtverlauf des 16.10.1813 zeigen, das Eintreffen der österreichischen Reservetruppen unter dem Prinzen von Hessen-Homburg. Diese österreichischen Kerntruppen erreichten gerade noch zum rechten Zeitpunkt das Schlachtfeld bei der Ortschaft "Cröbern" am 16. Oktober zwischen 15.15 Uhr und 16.00 Uhr. Durch ihr Eintreffen konnte das Kräfteverhältnis zwischen den alliierten und den Truppen Napoleons wieder ausgeglichen werden. Wir wollen jedoch den Ereignissen nicht vorauseilen, zum besseren Verständnis ab jetzt in chronologischer Reihenfolge.


Die Stadt Leipzig zählte 1813 ca. 35000 Einwohner. Sie war seit langen Jahrzehnten Messestadt und trieb einen florierenden Handel. Um Leipzig herum hatten sich eine Menge größerer und kleinerer Dörfer angesiedelt.

So unter anderem auch das Pfarrdorf "Cröbern", welches  im Süden an der Poststraße von Leipzig nach Borna lag. Das Dorf hatte  um 1800 ca. 220 Einwohner. Cröbern bestand in erster Linie aus Bauerngehöften, Pferdner- und Hintersassengütern und der Ort hatte eine massive schöne große Kirche, welche auf einem sanften Hügel lag.

Vom Kirchturm der Peter-und Paulkirche hatte man einen weiten Blick über den Leipziger Südraum. Nach Norden und Osten hin, Richtung Markkleeberg, Crostewitz, Wachau und Güldengossa erstreckten sich die bewirtschafteten Felder und Wiesen der Cröbener Bauern. Das Gelände stieg hier Richtung Wachau und Auenhain ca. 25-30 Meter an. Nach Süden hin, hinter dem Göselbach, Richtung Zehmen und Sestewitz erstreckte sich ebenfalls Ackergelände. In westlicher Richtung Cröberns lagen die Pleiße- und Göselniederung mit den dazugehörenden Auenwäldern, Tümpeln und weit verzweigten Wasserläufen. Für eine Armee fast undurchdringliches Terrain. Die Bevölkerung dieser Gegend war arm und das Leben in den Familien war von ständigen Anstrengungen geprägt.


Es war ein besonders regnerischer Herbst 1813, seit Ende August regnete es immer wieder. Besonders in den letzten Tagen vor der Schlacht regnete es fast ständig. Die nichtbefestigten Straßen waren mittlerweile grundlos geworden. Für Mensch, Tier und Wagen war es äußerst beschwerlich, schon auf den normalen Straßen zu reisen. Flüsse und Bäche waren über ihre Ufer getreten und die Wiesen überschwemmt.

Seit Anfang Oktober verstärkten sich die Militärtransporte, immer wieder neue Marschkolonnen durchquerten die Dörfer um Leipzig herum. Die Einwohner Cröberns und der anderen Ortschaften, versuchten, die wenigen Habseligkeiten, die sie besaßen, vor den durchziehenden Soldatenkolonnen zu verstecken. Dennoch plünderten die durchziehenden französischen Soldaten das, was sie fanden. Hühner, Gänse und sonstiges Vieh landete in den Kochtöpfen der Biwaks. Glücklicherweise hatte es 1813 eine gute Kartoffelernte gegeben. Aber auch diese wurden von den Soldaten ausgegraben und verzehrt. Ebenso landete alles nur erdenkliche Holz, Türen, Fensterläden und ganze Dächer als Brennmaterial in den Biwakfeuern der durchziehenden Franzosen, Polen und Rheinbundtruppen. Das Leid der Bevölkerung wuchs von Tag zu Tag.

Die Armeen Napoleons und der Verbündeten konzentrierten sich auf Leipzig, ein Aufeinandertreffen schien unvermeidlich.


König und Marshall Joachim Murat, der einen Großteil der napoleonischen Truppen befehligte, hatte den Auftrag den Süden Leipzig's zu sichern. Aus Richtung Rötha kommend zog sich diese Armeegruppe langsam Richtung Norden auf Leipzig zu, um hier eine Verteidigungslinie aufzubauen.

Österreichische, russische und preußische Truppenverbände folgten der Armee Murats. Im Bereich der Gösel- und Schlimperbach-Niederung entschloss sich Murat, hier seine Stellung zu behaupten. Die topografischen Verhältnisse mit hügeligem Gelände und der Deckung durch die beiden Bäche und die Pleiße ließen eine Verteidigung vorteilhaft erscheinen. Der Göhrener "Wachtberg" wurde sofort mit einer großen Schanze ausgebaut.


Der Göselbach aus Richtung Cröbern, in Richtung Crostewitz gesehen. Standpunkt ist der Brückenübergang der Straße Gaschwitz-Cröbern. Diese Brücke wurde auch von den österreichischen Kürassieren und der österreichischen Artillerie am 16.10.1813 genutzt. Die Gösel hatte nur ca. 2m Breite, nach den starken Regenfällen im Oktober 1813 war sie höchstwahrscheinlich über ihre Ufer getreten.

( Foto mit freundlicher Genehmigung durch Herrn R. DIETZE, Markkleeberg)


Unter anderem gehörte auch das VIII. Armeekorps Poniatowski zur Streitmacht Murats. Die polnischen Truppen durchquerten Cröbern und biwakierten in Richtung Markkleeberg, Wachau und Auenhain.

Vom Cröberner Kirchturm aus entdeckte der polnische Reitergeneral Sokolniki lange Marschsäulen der österreichischen Armee in Richtung Göseltal.


Blick von Cröbern aus in Richtung Sestewitz, links schlängelt sich der Göselbach

   ( Foto mit freundlicher Genehmigung durch Herrn W. SROKA, Markkleeberg)


Am Nachmittag kam es schließlich zu kleineren Gefechten südlich von Cröbern.





In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober änderte Murat  seinen Plan und ordnete den Rückzug in Richtung Markkleeberg an. Er konnte mangels vernünftiger Aufklärungsergebnisse nicht abschätzen, wie stark die Verbündeten bereits zu diesem Zeitpunkt waren.

So nahm er also seine neue Defensivstellung auf dem Höhenrücken welcher sich von Markkleeberg in östliche Richtung zog, ein. Dieser Höhenzug, der "Kellerberg", erlaubte eine Fernsicht bis weit in den Süden Richtung Rötha. Seine Verteidigungslinie zog sich weiter Richtung Osten mit den Ortschaften "Wachau" und "Liebertwolkwitz" als befestigte Bastionen.

Militärisch gesehen war das eine gute Entscheidung, er konnte so seine Linien enger an Leipzig heranbringen und bewahrte sich die Option, schneller Verstärkungskräfte heranzuziehen.



Gleichzeitig ließ Murat fast alle Brücken über die Pleiße abtragen. So wurden die Pleißenbrücke bei Gaschwitz und drei Brücken bei Markkleeberg sowie die Brücken weiter Richtung Dölitz abgetragen und zerstört. Die massiven Brückenpfeiler aus Eiche sollten verbrannt werden. Dies misslang jedoch.

Die verbündeten Preußen, Russen und Österreicher hatten den Rückzug in die rückwärtige Stellung bei Markkleeberg jedoch schnell bemerkt. Schon am späten Vormittag des 13. Oktober rückte die russische 14. Division "Helffreich" in Cröbern ein. Am späten Nachmittag folgte das II. Batallion des 6. preußischen Reserveregimentes.

Außerdem trafen mehrere  russische Kosakenregimenter in Cröbern ein. Diese wagten auch am Nachmittag einen Überraschungsvorstoß in Richtung der polnisch/französischen Stellungen auf dem Kellerberg.

Durch aufklärende polnische Krakusen gewarnt, erwartete jedoch die polnische Artillerie und Kavallerie den Kosakenangriff. Dieser Angriff geriet zum Fiasko für die Angreifer. Der mit 28 Jahren schon berühmte Kosakengeneral Kudaschew bezahlte diesen kühnen Angriff mit seinem Leben.

Am Abend des 13. Oktober biwakierten die Preußen des 6. Reserveregimentes im Dorf Cröbern. Die 14. russische Division biwakierte außerhalb des Dorfes am Hopfenberg, Richtung Gaschwitz.

Es regnete weiter mit kurzen Unterbrechungen.


Die Armeeführer Murat und Schwarzenberg und auch Kaiser Napoleon selbst wussten zu diesem Zeitpunkt nicht über die wirklichen Stärken der Gegner Bescheid. So sollte schon am 13. Oktober ein geplantes Aufklärungsgefecht stattfinden. Dieses wurde dann jedoch auf den 14. Oktober verschoben.

Was als Erkundungsgefecht geplant war, entwickelte sich schließlich zu einem der größten Reitergefechte der napoleonischen Kriege. Unter König Murat nahmen 75 Schwadronen mit ca. 8500 Reitern an dieser Schlacht teil. Der Kommandeur für dieses Erkundungsgefecht auf Seiten der Verbündeten war General Graf Wittgenstein. Er warf nach und nach, so wie die Regimenter eintrafen, insgesamt 64 Schwadronen mit 7300 Reitern ins Gefecht.

Es kam auch zu kleineren Gefechten im Gebiet der Ortschaften Markkleeberg und Liebertwolkwitz durch kämpfende Infanterieeinheiten. Teile von Liebertwolkwitz gingen in Flammen auf.

Am Ende des Tages war die erste Schlacht mit unentschiedenem Ergebnis zu Ende. Beide Armeeführer, Napoleon und Schwarzenberg, wußten nun überdeutlich, dass der Gegner mit starken Kräften Leipzig als Aufmarschgebiet gewählt hatte. Eine Entscheidungsschlacht schien unvermeidlich. Viele tapfere Männer überlebten jedoch den 14.Oktober nicht mehr. Das Leiden in den Armeen wuchs. Das brennende Liebertwolkwitz erhellte unheilvoll die Nacht.

Mittlerweile waren weitere Preußen in Cröbern eingetroffen. 9000 Soldaten der 10. und 11. Brigade biwakierten im Dorf. Beide Armeen beschäftigten sich an diesem Abend und in der Nacht mit der Bergung der Verwundeten und der Toten.

Die Verbündeten richteten mehrere Hauptverbandsplätze ein. Im Schloss Crostewitz, in Rötha und im Peterman'schen Gasthof  in Cröbern wurden diese Lazarette eingerichtet.


Peterman'scher Gasthof in Cröbern (großer Vierseithof am oberen Bildende)

( Foto mit freundlicher Genehmigung durch Herrn W. SROKA, Markkleeberg


Das Leiden der Soldaten und der Bevölkerung sollte aber noch nicht zu Ende sein. Gegen 19.00 Uhr setzte wieder starker Regen ein, der die Bergung der Opfer natürlich erschwerte. Einige Stunden später erhob sich ein starker Nordwestwind, welcher sich im Laufe der Nacht zum Orkan verstärkte. Dicke Bäume wurden entwurzelt und ganze Dächer abgedeckt. Die Soldaten, die nicht das Glück hatten, in festen Unterkünften zu sein, litten jetzt umso mehr. Jetzt wurden auch die Dörfer restlos geplündert, Türen und Tore wurden als Biwakunterstand benutzt oder landeten in den Biwakfeuern, welche aber durch den Starkregen eh' nicht unterhalten werden konnten.


Dieser Tag wurde zur Ruhe genutzt bzw. es wurden Truppen hin und her geschoben. Keiner der Feldherren suchte an diesem 15. Oktober die Initiative. Die große Entscheidungsschlacht wurde für den nächsten Tag geplant.



(Fortsetzung folgt)